Offener Brief des MigrantInnenrat an den OB der Hansestadt Rostock

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Methling,

ich habe eben erfahren, dass die Stadtverwaltung versucht, die geplanten Protestaktionen gegen den NPD Aufmarsch am 1. Mai in Gross Klein in Sicht- und Hörweite zu unterbinden. Als Sprecher der Migrantenorganistionen in Mecklenburg – Vorpommern erlaube ich mir, Ihnen hiermit meine Besorgnis mitzuteilen:

Sehr geehrter Herr Methling,

sicher haben Sie mitbekommen, dass Nazis im ganzen Norden von Deutschland nach Rostock mobilisieren und dass es ein breites Bündnis gibt, dass gegen diesen Aufmarsch protestieren und sich mit uns MigrantInnen und Flüchtlingen solidarisieren möchte.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie in so einer Situation tatenlos bleiben wollen. Bisher haben Sie sich zu diesem Thema jedoch noch nicht öffentlich geäußert. Ich habe jedoch gehört, dass Sie planen, sich an dem Tag, an dem hunderte Nazis in unserer Stadt gegen uns MigrantInnen hetzen wollen, nicht in Rostock aufzuhalten.

Auf der anderen Seite verbietet die zuständige Behörde sämtliche friedliche Gegenaktionen in Gross Klein. Das ist ein verheerendes Signal und kann außerdem dazu führen, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und den Sicherheitskräften kommt. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.

Wir als Rostocker Bürger und Bürgerinnen mit Migrationshintergrund haben aus der jüngeren Geschichte dieser Stadt viel gelernt. Deshalb wünschen wir uns, dass die lokale und landesweite Zivilgesellschaft auch am 1. Mai klare Zeichen setzen kann und deutlich macht, dass es in unserer Gesellschaft keinen Platz für Neonazis und ihre Gewaltaufrufe gibt. Wir wollen kein neues Lichtenhagen 1992 und keine neuen NSU- Verbrechen erleben!

Ich hoffe, dass ich Ihnen unsere Sorgen vermitteln konnte und verbleibe in der Hoffnung dass Sie sich dafür einsetzen, dass es dem breiten Bündnis „1. Mai – Rostock nazifrei !“ ermöglicht wird, Proteste in friedlicher Atmosphäre zu organisieren. Nur so wird es gelingen, allen BürgerInnen Rostocks die Möglichkeit zu geben, ihren Unmut gegenüber den Neonazis zu zeigen.

Mit freundlichen Grüßen,

Imam-Jonas Dogesch

Sprecher des Migranet MV. (Netzwerk der Migrantenorganisationen in MV)

Update: Mittlerweile hat sich der OB in einer Pressemitteilung öffentlich geäußert.

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